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Thema MethodeStand 10/2026

Depotrendite richtig messen

Zeitgewichtete Rendite oder interner Zinsfuß? Dasselbe Depot, dasselbe Jahr — und zwei Zahlen, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen können.

+5,0 %
zeitgewichtet: die Strategie
−9,9 %
interner Zinsfuß: das Geld
15 Pp.
Unterschied durch Timing
Die Kurzfassung

Wer regelmäßig einzahlt oder entnimmt, hat nicht eine Rendite, sondern zwei. Die zeitgewichtete Rendite misst die Strategie, der interne Zinsfuß das Ergebnis für das eingesetzte Geld. In meinem Beispiel liegt die eine bei plus 5 %, die andere bei minus 10 % — im selben Depot, im selben Jahr.

Warum eine Zahl nicht reicht

Ein Depot mit 10.000 € steigt im ersten Halbjahr auf 12.000 €. Zum 1. Juli kommen 20.000 € dazu, danach fällt der Markt, und zum Jahresende stehen 28.000 € im Depot. Eingezahlt wurden 30.000 €, es fehlen 2.000 €. Hat die Strategie versagt? Nein: Im ersten Halbjahr hat sie 20 % gebracht, im zweiten 12,5 % verloren. Unglücklich war nur der Zeitpunkt der großen Einzahlung — und den bestimmt der Anleger, nicht die Strategie.

AbschnittWert am AnfangWert am EndeTeilrendite
01.01. bis 01.07.10.000 €12.000 €+20,0 %
01.07. bis 31.12. (nach Einzahlung von 20.000 €)32.000 €28.000 €−12,5 %
zeitgewichtet: 1,20 × 0,875 − 1+5,0 %
interner Zinsfuß der Zahlungen−9,9 %

Die zeitgewichtete Rendite: das Maß für die Strategie

Die zeitgewichtete Rendite zerlegt den Zeitraum an jeder Ein- und Auszahlung in Abschnitte, rechnet für jeden Abschnitt die Rendite und verkettet sie. Zahlungen verändern dadurch das Ergebnis nicht. Genau deshalb ist sie der Standard, wenn Fonds und Vermögensverwalter ihre Leistung ausweisen, und die einzige Rendite, die sich fair mit einem Index vergleichen lässt — ein Index kennt keine Einzahlungen.

Zeitgewichtete Rendite Rᵢ = Wert am Ende des Abschnitts ÷ (Wert am Anfang + Zahlung zu Beginn) − 1
zeitgewichtet = (1 + R₁) × (1 + R₂) × … × (1 + Rₙ) − 1

Der interne Zinsfuß: das Maß für das eigene Geld

Der interne Zinsfuß ist der Zinssatz, mit dem sich alle Ein- und Auszahlungen samt Endwert ausgleichen. Er gewichtet jeden Euro nach der Zeit, die er investiert war. Große Einzahlungen vor einem Kursrückgang drücken ihn, Einzahlungen vor einem Anstieg heben ihn. Für die Frage „Was ist aus meinem Geld geworden?" ist er die ehrliche Antwort. Im Controlling kennt man ihn aus der Investitionsrechnung: Es ist dieselbe Methode, mit der eine Maschinen- oder Hallenerweiterung bewertet wird.

Welche Zahl wofür

FrageMaß
Ist meine Aktienauswahl besser als ein Indexfonds?zeitgewichtete Rendite
Hat sich mein Regelwerk über die Jahre bewährt?zeitgewichtete Rendite
Wie hat sich mein eingesetztes Geld verzinst?interner Zinsfuß
War der Zeitpunkt meiner Einzahlungen günstig?Differenz der beiden

Vier Fallstricke

  1. Dividenden sind keine Einzahlung. Bleiben sie im Depot, stecken sie im Depotwert. Werden sie auf das Girokonto ausgezahlt, sind sie eine Entnahme.
  2. Depotwert vor der Zahlung ansetzen. Die zeitgewichtete Rendite braucht den Wert unmittelbar vor jeder Ein- oder Auszahlung. Monatswerte vom Kontoauszug reichen, solange Zahlungen am Monatsende liegen.
  3. Kurze Zeiträume nicht hochrechnen. Drei gute Monate auf ein Jahr hochgerechnet ergeben Fantasiezahlen.
  4. Steuern und Gebühren einheitlich behandeln. Entweder beide Renditen nach Kosten oder beide davor — sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Selbst rechnen

Der Performance-Rechner rechnet beide Renditen aus beliebig vielen Stichtagen — vorbelegt mit diesem Beispiel.

Grundlagen: Die zeitgewichtete Rendite ist der Standard der Global Investment Performance Standards (GIPS) des CFA Institute für die Ausweisung von Anlageergebnissen; der interne Zinsfuß ist die Standardmethode der dynamischen Investitionsrechnung. Beispiel mit eigenen Zahlen.

Dieser Beitrag dient der Information und Bildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung, bestimmte Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Modellrechnungen vereinfachen bewusst; vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
David Krause
David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), 15+ Jahre Kalkulation, Kostenrechnung und Werkscontrolling in der Fertigung. Rechnet hier dieselben Fragen von außen: Was verdient ein Unternehmen auf sein Kapital, und was darf es kosten?