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Bereich MethodeStand 10/2026

Methode

Grundhaltung, Prozess und Regelwerk — aufgeschrieben, damit Entscheidungen nachvollziehbar bleiben, auch für mich selbst.

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Schritte vom Screening zur Überwachung
6
Regeln für das eigene Depot
≥ 3 %
Dividendenrendite beim Kauf
Investor oder Spekulant?

Ein Spekulant setzt darauf, dass jemand anderes später mehr bezahlt. Ein Investor kauft einen Anteil an einem Geschäft und lebt von dem, was dieses Geschäft verdient. Alles auf dieser Seite folgt der zweiten Haltung — mit einem Werkzeugkasten, den ich aus dem Controlling kenne: Was verdient das Kapital, was kostet es, und was ist der Betrieb unter nüchternen Annahmen wert?

Grundhaltung

Value Investing heißt, Anteile an guten Unternehmen zu kaufen, wenn ihr Preis unter ihrem inneren Wert liegt — dem Barwert dessen, was sie ihren Eigentümern künftig erwirtschaften. Das Prinzip ist in einem Satz erklärt und in der Praxis schwer durchzuhalten, weil die Hindernisse selten fachlicher Natur sind. Vier davon habe ich mir aufgeschrieben:

  1. Nur Geld anlegen, das nicht gebraucht wird. Wer auf seine Anlagen angewiesen ist, kann in einem Kursrückgang nicht rational entscheiden. Jede Anlageklasse fällt im Lauf eines Anlegerlebens irgendwann um die Hälfte oder mehr. Der Notgroschen liegt deshalb außerhalb des Depots.
  2. Mit Phasen rechnen, in denen die Methode hinterherläuft. In Übertreibungsphasen schneidet ein wertorientierter Ansatz schlechter ab als der Markt. Das ist kein Fehler der Methode, sondern ihr Preis.
  3. Stimmung ist Information über andere, nicht über das Unternehmen. Die besten Einstiegschancen entstehen, wenn viele verkaufen müssen oder wollen. Wer das weiß, liest einen Kurssturz zuerst als Frage: Hat sich am Geschäft etwas geändert — oder nur am Preis?
  4. Die meiste Zeit passiert nichts. Viel lesen, vieles verwerfen, selten kaufen, lange halten. Die größte Herausforderung ist, nichts zu tun.

Weil kein innerer Wert auf den Euro genau bestimmbar ist, gehört zu jedem Kauf eine Sicherheitsmarge: der Abstand zwischen Preis und geschätztem Wert, der Fehler in den eigenen Annahmen abfedert. Je unsicherer die Prognose, desto größer muss die Marge sein.

Prozess

Der Prozess

1 · Screening Freebird-Rating:Dividendenhistorie,Bewertung, Bilanz.Kurzprüfung, wer indie Analyse kommt. 2 · Analyse Geschäftsmodell,Kapitalrendite,Finanzkraft, Wachstum,Sicherheit derDividende. 3 · Entscheidung Fairer Wert mitSicherheitsmarge,Positionsgröße,These schriftlichfesthalten. 4 · Überwachung These gegen jedenQuartalsberichtprüfen; handeln beigebrochener These,nicht bei Kursen.
Der Prozess in vier Schritten. Die Überwachung speist das nächste Screening — eine gebrochene These ist ein Befund, kein Versagen. Praktisch umgesetzt im Beitrag In sechs Schritten zur eigenen Kaufliste; das Ergebnis misst der Performance-Rechner.

Mein Regelwerk

Regeln schützen vor den eigenen Stimmungen. Diese hier gelten für mein Einzelaktiendepot. Sie sind eine Beschreibung meines Vorgehens, keine Empfehlung für andere.

RegelInhaltWarum
Qualität zuerstUnternehmen mit langer, ununterbrochener Dividendenhistorie; Listen langjähriger Dividendensteigerer als Ausgangspunkt fürs ScreeningEine jahrzehntelange Dividendenhistorie ist ein harter Beleg für stabile Ertragskraft
Preis vor KaufKauf nur zum oder unter dem fairen Wert — ermittelt aus Gewinnwachstum und einem fairen KGV von höchstens 15, der mit steigendem Zins sinktDer Einstiegspreis entscheidet über die Rendite (Zwei Schlüssel, Rechner)
Dividendenrendite ≥ 3 % beim Kaufals zusätzlicher Filter gegen überteuerte Einstiege; im Freebird-Rating zusammen mit dem Dividendenwachstum gegen den risikolosen Zins gemessenEine hohe Anfangsrendite ist bei soliden Unternehmen meist ein Bewertungssignal
Dividende muss gedeckt seinAusschüttungsquote am Gewinn und am freien Cashflow; es zählt der schlechtere Wert. Bei Immobiliengesellschaften zählt allein die Quote auf den AFFO. Schwellen je Sektor im Freebird-RatingEine Dividende wird aus der Kasse gezahlt, nicht aus dem Gewinn
Ausnahme mit GrenzeHerausragende Qualität auch zum fairen Preis — nie deutlich darüberDie besten Unternehmen sind selten billig, aber manchmal fair bewertet
Steuern mitrechnenUS-Quellensteuer von 15 % mit dem Formular W-8BEN; anrechenbar, geht aber innerhalb des Sparerpauschbetrags verlorenNettorendite zählt, nicht Bruttorendite (Rechner)
Handeln nach TheseAnlagethese schriftlich; Verkauf bei gebrochener These oder extremer Überbewertung, nicht bei KursrückgangTrennt Befund von Stimmung
Was ich bewusst nicht tue

Keine Kursprognosen, kein Markttiming, keine Hebelprodukte, keine Käufe auf Kredit. Und keine öffentlichen Kaufempfehlungen für einzelne Aktien: Beispiele auf dieser Seite sind Modellrechnungen und fiktive Unternehmen, keine Tipps.

Die Kennzahlen hinter diesem Prozess beschreibe ich ausführlich im Wissensspeicher: Kapitalrendite (ROIC), immaterielle Vermögenswerte und der Zins als Maßstab.

Dieser Beitrag dient der Information und Bildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung, bestimmte Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Modellrechnungen vereinfachen bewusst; vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
David Krause
David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), 15+ Jahre Kalkulation, Kostenrechnung und Werkscontrolling in der Fertigung. Rechnet hier dieselben Fragen von außen: Was verdient ein Unternehmen auf sein Kapital, und was darf es kosten?