freebirdcapital
Thema MethodeStand 10/2026

In sechs Schritten zur eigenen Kaufliste

Aus einigen tausend Aktien die wenigen finden, die gut und günstig sind — mit einem Werkzeug für jede Stufe.

6
Schritte vom Universum zur Liste
3–5
Aktien in der Kaufzone
72 ÷ r
Jahre bis zur Verdopplung
Worum es geht

Eine Kaufliste ist keine Liste von Aktien, die mir gefallen. Sie ist das Ergebnis eines Verfahrens, das aus einigen tausend Unternehmen die wenigen herausfiltert, die gut und günstig sind — mit einem Kurs, zu dem ich kaufe, und einer schriftlichen Begründung. Die sechs Schritte dorthin sind ohne kostenpflichtige Dienste machbar.

1–2 · Profil und Screener: einige Tausend Aktien → rund 150 3 · Schnelltest: → rund 40 4 · Vollbewertung: → rund 12 5 · Fairer Wert: 3–5 in der Kaufzone 6 · Kaufliste mit Limit und These Größenordnungen beispielhaft — sie schwanken mit Markt und Bewertungsniveau
Der Weg vom Aktienuniversum zur Kaufliste. Jede Stufe hat ein eigenes Werkzeug.

1 · Profil festlegen

Bevor ein Filter gesetzt wird, steht die Frage, was das Depot leisten soll: laufendes Einkommen, Wertzuwachs oder beides. Daraus folgt das Profil — Dividende, Value, Wachstum oder neutral — und damit die Gewichtung aller späteren Kennzahlen. Mein eigenes Depot folgt dem Profil Dividende mit Schwerpunkt auf US-Unternehmen mit langer Dividendenhistorie.

2 · Grob filtern mit einem Screener

Kostenlose Aktien-Screener im Netz filtern das Universum in Sekunden. Für das Profil Dividende setze ich wenige, harte Filter: Börsenwert über 2 Mrd. $, eine Dividendenrendite nicht weit unter dem risikolosen Zins, eine Ausschüttungsquote unter 75 % des Gewinns, positives Gewinnwachstum über fünf Jahre und eine überschaubare Verschuldung. Das Vorsieb ist bewusst grob: Ob auch der freie Cashflow die Dividende deckt, prüft erst die Vollbewertung. Mehr braucht es auf dieser Stufe nicht — jeder zusätzliche Filter sortiert auch gute Kandidaten aus.

3 · Schnelltest

Die verbliebenen Namen durchlaufen den Schnelltest des Freebird-Ratings: sieben Kennzahlen zu Wachstum, Rendite, Ausschüttung und Verschuldung, maximal 35 Punkte. Ab 25 Punkten geht es weiter, zwischen 20 und 24 nur mit gutem Grund, darunter scheidet die Aktie aus. Das dauert pro Aktie wenige Minuten und spart die Zeit für die Kandidaten, die es verdienen.

4 · Vollbewertung

Die Vollbewertung misst elf Kennzahlen gegen Schwellen der jeweiligen Branche und gegen das aktuelle Zinsniveau. Ab 70 % des Maximums beginnt die eigentliche Analyse: Geschäftsmodell, Wettbewerbsposition und die Kapitalrendite. Hier fällt die Entscheidung, ob ich das Unternehmen besitzen will — der Preis spielt noch keine Rolle.

5 · Fairen Wert und Kaufzone bestimmen

Erst jetzt kommt der Preis. Mit dem Fairer-Wert-Rechner bestimme ich einen fairen Wert aus Gewinn, Wachstum und angemessenem KGV und ziehe eine Sicherheitsmarge ab. Warum dieser Schritt über den Erfolg entscheidet, zeigt der Beitrag Die zwei Schlüssel zum Anlageerfolg: Dasselbe Unternehmen bringt zum fairen Preis 8 % im Jahr, zum doppelten Preis unter 1 %.

Die Regel 72

Eine Faustregel macht Renditeunterschiede greifbar: 72 geteilt durch die jährliche Rendite ergibt ungefähr die Jahre, in denen sich ein Betrag verdoppelt. Bei 8 % sind es 9 Jahre, bei 4 % schon 18. Ein zu hoher Einstiegspreis kostet also nicht ein paar Prozentpunkte, sondern Jahre.

6 · Kaufliste führen

Auf die Kaufliste kommt jede Aktie mit drei Einträgen: dem Kurs, ab dem ich kaufe, einer Anlagethese in drei Sätzen und einem Termin zur Wiedervorlage — spätestens mit dem nächsten Quartalsbericht. Die Liste ist kurz, und das ist gewollt. Fällt ein Kurs in die Kaufzone, entscheide ich nicht neu, sondern prüfe nur, ob die These noch trägt. Wie sich das Ergebnis später messen lässt, steht im Beitrag Depotrendite richtig messen.

Die Verbindung zum Prozess

Die sechs Schritte sind die praktische Seite des Prozesses auf der Seite Methode: Schritt 1 bis 3 sind das Screening, Schritt 4 die Analyse, Schritt 5 die Entscheidung, Schritt 6 die Überwachung.

Eigenes Verfahren. Die Regel 72 ist eine Näherung der Zinseszinsrechnung und bei Renditen zwischen etwa 4 und 12 % hinreichend genau.

Dieser Beitrag dient der Information und Bildung. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung, bestimmte Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Modellrechnungen vereinfachen bewusst; vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
David Krause
David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), 15+ Jahre Kalkulation, Kostenrechnung und Werkscontrolling in der Fertigung. Rechnet hier dieselben Fragen von außen: Was verdient ein Unternehmen auf sein Kapital, und was darf es kosten?